Die Wildbienen – die unbekannte Verwandte der Honigbiene

(von Gabriele Pichler, A – Salzburg) 

Die Zoologen rechnen sie zu der Gattung der Hautflügler (Hymenoptera), zu denen auch Hummeln, Wespen und Ameisen gehören. Wie diese besitzen sie zwei paarweise miteinander verbundene Flügelpaare und eine eingeschürte Wespentaille. In Deutschland leben 520 Arten. Viele von ihnen erkennt auch der Laie sofort als „Biene“, wenn auch kleiner und oft anders gefärbt, manche jedoch werden dem Aussehen nach gerne mit Wespen oder Fliegen verwechselt.

Wildbiene auf Wegwarte

Wildbiene auf Wegwarte

Während nun unsere Honigbienen in kompliziert aufgebauten Staaten leben, sind die meisten Wildbienen Einzelgänger: jede Königin baut für sich ein Nest. Sie legt ein Ei hinein, versorgt es mit Pollennahrung, verschließt es vorsorglich und fliegt davon. Manchmal benutzen auch mehrere Königinnen eine gemeinsame Nestanlage und die Furchenbiene betreibt sogar direkte Brutpflege – Vorstufen zur sozialen Lebensweise der Honigbiene. Die ebenfalls zu den Wild-bienen gehörenden Kuckucksbienen sind Nestschmarotzer. Wie ihre Namensvettern aus der Vogelwelt legen sie ihr Ei in Abwesenheit der Königin in deren Nest, wo die schlüpfende Larve die Larve der Wirtsbiene tötet und sich von ihren Vorräten ernährt.

 

 

Unterschätzte Nützlinge

Wiesenwitwenblume

Wiesenwitwenblume

Hört man Blütenbestäubung, denkt man automatisch an die Honigbiene. Dabei haben hier Wildbienen oft eine viel höhere Bedeutung: in Gegenden ohne Imker können sie einen vollwertigen Ersatz beim Bestäuben der Obstbäume darstellen. Bei der Vermehrung von Ackerfutterpflanzen, wie Rotklee und Luzerne bringen Wildbienen sogar eine bessere Bestäubungsleistung als Honigbienen. Profitorientierte amerikanische Großbauern stellen daher schon seit Jahren neben ihren Feldern Nisthilfen für Wildbienen auf und erzielen so eine bessere Ernte. Auch in der Natur sind Wildbienen unentbehrlich. Pflanzen mit geringem Nektarangebot, die von Honigbienen verschmäht werden, können oft nur durch die Bestäubung durch Wildbienen überleben.

 

Wildbienen – bedrohte Wildtiere

Seit etwa 20 Jahren ist nun ein alarmierender Rückgang bei Wildbienen zu verzeichnen. 1980 wurden in Deutschland sämtliche Wild-bienen unter Schutz gestellt, 35% aller Arten stehen auf der Roten Liste, 7% sind bereits ausgestorben, Tendenz steigend. Ursachen sind zum Ersten die fortschreitende Zerstörung ihrer Lebensräume. Rebflurbereinigungen bedrohen die wärmelie-benden Arten der Weinberge, Trockenrasen, Magerwiesen, vegetationsfreien Wege, Abbruchkanten, Hecken, Streuobstwiesen mit morschen Bäumen, Auwäldern oder Kiesgruben. Diese Lebensräume verschwinden zusehends aus dem moder-nen, sauber aufgeräumten Landschaftsbild. Moderne Bauwerke bieten keine Mauerrisse und Höhlungen als Nistplatz mehr, kein Haus wird mehr mit Reetdächern gedeckt oder mit Lehm ver-putzt. Auch moderne Gärten und Parks mit gepflegten Rasenanlagen sind kein Wildbienenbiotop mehr. Herbizide vernichten ihre Nahrungsquelle – blühende Unkräuter – und Insekten-schutzmittel töten die Tiere selber. Und der Straßenverkehr tut sein übriges: jährlich sterben Abermillionen von Bienen auf den Windschutzscheiben fahrender Autos.

 

Wildbienenschutz – jeder kann etwas tun

Wildbienenschutz ist in erster Linie Biotopschutz in der freien Natur. Aber auch im eigenen Garten lassen sich mit einfachsten Mitteln eine große Anzahl von anpassungsfähigeren Arten ansiedeln. Und auch ohne Garten: auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen verirren sich die Tiere auch auf Fenstersimse und Balkone mitten in der Stadt: der Tübinger Wildbienenforscher Paul Westrich konnte auf seinem wildbienenfreundlich gestalteten Balkon im dritten Stock dreißig verschiedene Wildbienenarten als regelmäßige Besucher und Siedler beobachten – darunter auch drei hoch gefährdete Arten.

Wildbienenschutz ist Biotopschutz

Wildbienenschutz ist Biotopschutz

Wildbienen im Garten oder auf Balkonen sind genügsame, freundliche Haustiere: sie erhalten und ernähren sich selber, machen keine Arbeit, sind dem Menschen gegenüber friedlich und können mit ihrem kurzen Stachel auch gar nicht des-sen Haut durchdringen. Außerdem sind sie interessante Beobachtungsobjekte für Kinder und Erwachsene – Natur pur mitten in der Großstadt. Zur erfolgreichen Ansiedelung von Wildbienen muss man ihrenBedürfnissen gerecht werden: genügend Nahrungsangebot und geeignete Nistplätze.

Nahrungsangebot: Kein anderes nektarfressendes Insekt ist so sehr auf heimische Wildpflanzen angewiesen wie die Wildbiene. Zwar werden von anpassungsfähigeren Arten auch einige ausländische Zierpflanzenarten akzeptiert wie die Zierstrohblume, die meisten Wildbienen sind in der Wahl ihrer Pollenpflanzen jedoch hochspezialisiert, manche von ihnen sogar nur auf eine einzige Blumenart. So sammelt die Weidenröschen-Blattschneiderbiene nur den Pollen von Waldweidenröschen, die Natternkopf-Mauerbiene nur von Natternkopf. Will man also Wildbienen auf Balkon oder Garten heimisch machen, gilt die Regel: Wildblumen und Wildsträucher pflanzen, möglichst viele verschiedene Arten. Im folgenden eine Auflistung der bei Wildbienen beliebtesten Gewächse (nach R.Witt: Wildblumen für jeden Garten):

Wiesenblumen:

Gehölze:

Wiesenlöwenzahn 72 Arten
Gewöhnlicher Hornklee 57 Arten
Weißklee 41Arten
Scharfer Hahnenfuß 40 Arten
Wiesenflockenblume 39 Arten
Natternkopf 37 Arten
Wegwarte 37 Arten
Skabiosenflockenblume 32 Arten
Kleines Habichtskraut 32 Arten
Gewöhnliches Ferkelkraut 31 Arten
Wiesenbärenklau 30 Arten
Salweide 34 Arten
Gemeine Brombeere 26 Arten
Ohrweide 19Arten
Schlehe 18Arten
Apfelbaum 17Arten
Zweigriffeliger Weißdorn 16Arten
Vogelkirsche 15Arten
Birnbaum 12Arten
Stechpalme 11Arten
Hundsrose 10Arten

Quelle: www.naturgarten.org
Autorin: Gabriele Pichler

Literatur:
Bellmann, Heiko: Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos Verlag
Treiber, Reinhold: Wildbienen – eine Einführung
Naturkundliche Beiträge – Internet (www.projektwerkstatt.de)
Westrich, Paul: Wildbienenschutz in Dorf und Stadt. Arbeitsblätter zum Naturschutz, Baden-Württemberg Nr.1
Witt, Reinhard (1995): Wildblumen für jeden Garten. BLV-Verlag München.

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